Einführung
Titelverzeichnis
Über die Serie
Die Villa
Umschlagbilder Schütz
Umschlagbilder Vogler
Bezugsquelle und Verlag


Zu Beginn der dreißiger Jahre1913/14 ließ Frau Mathilde Erfurth ein dort stehendes Gebäude abreißen und errichtete die Villa mit Erd- und Obergeschoß. Von deren Keller aus gelangte man in ein Gewölbe, in welchem sich früher eine Spielhölle befand, die zum ursprünglichen Gebäude gehört hatte.

Tom Shark erwarb die Villa 1928 spottbillig mitsamt der Einrichtung über einen Agenten von Frau Erfurths Erben. Das Haus hatte zuvor einige Jahre leer gestanden, der Vorgarten war inzwischen verwildert.

Shark und Strong bezogen die Villa, aus Amerika kommend, Ende 1928. Sie benutzten das vorhandene Mobiliar weiter, lediglich das Arbeitszimmer wurde neu eingerichtet. Das Haus erhielt Telefon, Strom und eine Gasheizung.

Das Anwesen befindet sich auf der Westseite der Wallotstraße, drei Grundstücke von der Königsallee entfernt. Nachbarn sind ein Arzt, ein Gesandt­schaftsattache, eine Schuster- und eine Möbelwerkstatt sowie die Herrschaft von Karl Wagner, Bills Freund, der dort als Chauffeur beschäftigt ist.

Eine aufwendige Sicherheitsvorrichtung, bestehend aus Spezialschlössern, Stahlfensterläden, einer Alarmanlage sowie einer Starkstromfalle soll das Gebäude schützen, wird aber offensichtlich nur selten benutzt.

Zur Straße ist das Haus etwa acht Meter entfernt. Der Vorgarten wird durch einen Staketenzaun mit Zementsäulen, Gittertor und Klingel abgegrenzt. Die übrigen drei Seiten des Grundstücks sind von einer Mauer umgeben. Durch eine Hinterpforte gelangt man auf ein über lange Jahre unbenutztes Baugrundstück. Dort ist die Falltüre zu einem Geheimgang sorgfältig verborgen, den Bill im Herbst 1929 angelegt hat. Bewegt man sich vom Baugrundstück aus in Richtung Königsallee, dann kommt man zunächst in ein Birkenwäldchen und dann zur Erdener Straße. In Richtung Halensee erreicht man eine Schrebergartenkolonie.

Tom Shark ist ein Rosenliebhaber. Daher wurde im Rasen des Vorgartens ein Rondell angelegt, das mit Marschall-Niel-Rosen bepflanzt ist. Eine Veranda mit Brüstung ist dem Gebäude vorgebaut. Daneben rankt wilder Wein an einem Spalier die Hauswand empor. An der Einfahrt befinden sich Garage und Fahrradschuppen. Bill ist ein begeisterter Gärtner. Im großen Gemüsegarten hat er Tomaten, Erdbeeren, Blumenkohl und Mohrrüben angepflanzt. Außerdem widmet er sich der Hühnerzucht. Im Hühnerstall, der an die rückwärtige Mauer angebaut ist, tummeln sich fünfzehn Hühner und ein Gockelhahn. Ein Nußbaum und drei Kastanienbäume spenden im Sommer Schatten oder dienen zum erwünschten oder auch unliebsamen Einstieg in das Obergeschoß des Hauses. Hinter der Villa lädt eine Weinlaube zur Einkehr ein, doch Shark und Strong haben selten Zeit, darin zu verweilen.

Betritt man das Haus, dann kommt man durch die Vorderdiele in die mit Brücken ausgelegte Diele, in welcher Korbstühle stehen und eine Ampel an der Decke hängt. Die rechte Tür führt in das Eßzimmer. Es enthält eine alte Standuhr, eine Vitrine mit Pokalen und das Büfett, in welchem die Getränke aufbewahrt werden: Cognac und Asbach Uralt, Ettaler Likör und gepflegte Rotweine, nämlich Bordeaux, Macon und Burgunder. Hier befindet sich auch die häufig benutzte Teemaschine. Als Bodenbeläge werden im Haus helle Smyrnateppiche bevorzugt. Von der Vorbesitzerin stammt noch das kunstvolle Ölbild, welches eine Rokokodame zeigt. Mit ihm hat es eine besondere Bewandtnis, denn dahinter verbirgt sich ein Schacht, der es einem ermöglicht, unbemerkt sowohl zum Keller als auch zum Obergeschoß zu gelangen. Ein weiterer, vom Eßzimmer aus erreichbarer Geheimschacht endet hinter der Veranda.

Prunkstück des Hauses ist das mit dem Eßzimmer durch eine Tür verbundene Arbeitszimmer. Shark und Strong haben bei dessen Einrichtung Wert auf eine gediegene, gutbürgerliche Atmosphäre gelegt. Dazu gehören ein gemütlicher Diwan, Clubsessel, Teppiche, ein Kamin, ein grüner Kachelofen, Rauch- und Clubtisch, ein Erker und ein Kronleuchter. Ein Schaukelstuhl stammt noch von Sharks Berliner Mutter. Im Tresor bewahrt er asiatische Kostbarkeiten, Juwelen und gelegentlich bis zu 50 000 RM auf. Im Bücherschrank befinden sich ein Schachspiel und ein Gerät zur Bestimmung von Fingerabdrücken. Daneben gibt es noch einen Raritätenschrank und ein Bücherregal, das einen Kartothekkasten enthält. Für den Klaviervirtuosen Shark ist der Blüthner-Flügel, den ihm Strong 1929 zum Geburtstag geschenkt hat, das angemessene Instrument. Auf dem Schreibtisch stehen eine Tischlampe mit grünem Schirm und Strongs amerikanische Schreibmaschine. Ein teures Achtröhren-Radiogerät sorgt für Information und musikalische Unterhaltung. Das Telefon mit seinen zwei Zusatzhörern ist eine wichtige Verbindung zur Außenwelt.

Im Erdgeschoß sind außerdem die Küche, die Speisekammer mit Delikatessen und Säcken mit Mehl, sowie das Archiv, in dem Zeitungsjahrgänge, Doku­mente und Sammelmappen aufbewahrt werden, untergebracht.

Der Einstieg zum Geheimgang befindet sich im Keller. Neben der Küche ist der Ausgang zum Garten. Eine Treppe führt von der Diele zum Obergeschoß. Dieses enthält zur Straßenseite hin die beiden Schlafzimmer von Shark und Strong und das Trainingszimmer mit Punchingball, Fechtboden und Barren. Auch Bill hat in diesem Stockwerk sein Zimmer. Dort liegen noch Bad, Gästezimmer und Laboratorium mit Räucherkammer. Besonders wichtig ist der Umkleideraum, denn hier lagern die zahlreichen durchnumerierten Koffer mit den diversen Verkleidungsutensilien. Große Spiegelschränke erleichtern das Anlegen der Masken.

Schließlich gelangt man noch über eine Leiter zum Dachboden, der eine Luke enthält, durch die man als gewandter Sportler auf den Ast eines Kastanienbaums und von da in den Garten klettern kann.

Herzogenaurach, den 27.11.1995

Theo Marabini

 

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